Buntes Programm für die Radsportfreunde
VON TIMM GATTER, 12.04.06
Burscheid - Rot und weiß sind die derzeit vorherrschenden Farben in der Stadt: Überall stehen die vom Bauhof entlang der zwölf Kilometer langen Strecke des Radrennens „Rund um Köln“ deponierten Warnbaken und Absperrgitter. Zum fünften Mal ist Burscheid an Ostermontag in die drei Rennen - „Challenge 60“, „Challenge 100“ und das Profi-Rennen über knapp 200 Kilometer - eingebunden. Ein großes Spektakel für Burscheid, das sich den ganzen Tag über dem zu erwartenden Besucherandrang von seiner schönsten Seite präsentieren möchte.
Trockensurfen
Spätestens wenn Alessandro Petacci, Erik Zabel und Co. von Sträßchen aus über die erste Sprintwertung des Rennens an der Geilenbacher Straße, durch die Innenstadt, Massiefen, Blasberg, Paffenlöh, Hilgen-Heide und Hilgen nach Wermelskirchen entfleucht sind, haben die Attraktionen Hochkonjunktur. So laden Johnson Controls und Remondis gemeinsam ein zur abenteuerlichen „Trockensurf-Anlage“ und Federal-Mogul in das erstmals aufgebaute „Drei-D-Karussell“. Zu den weiteren Großsponsoren zählen die Kreissparkasse Köln und Radsport Campana. Die Stadt, das Megaphon und die Stadtbücherei offerieren die obligatorische Hüpfburg - in der Bücherei selbst gibt es für rennmüde Kinder eine Betreuung samt „Bilderbuchkino“. Der gesamte Rennverlauf kann auf der Großbildleinwand verfolgt werden. Die Tombola mit den von der Kreissparkasse gestifteten Preisen - Lose kosten 50 Cent, die Ziehung ist um 14.30 Uhr - dürfte wieder eine besondere Anziehung ausüben. Der Erlös kommt dem Burscheider Kinderschutzbund zugute. Johnson Controls - das Unternehmen nimmt erstmals mit elf sportlichen Kollegen aus unterschiedlichen Abteilungen an der „Challenge 100“ teil - wird die Tombola-Einnahmen verdoppeln.
Um 14 Uhr veranstaltet die Stadt auf dem Marktplatz ein Tipp-Basketballwerfen unter anderem mit Vertretern der Sponsoren und Vereine. Wer auf den Gewinner tippt, kann die Basketballanlage, zwei Basketbälle und eine Halbjahresmitgliedschaft in einem Fitness-Club gewinnen.
In Hilgen lädt der Löschzug II der Freiwilligen Feuerwehr ab 10 Uhr zu einem „Eventpoint“ auf dem Gelände der Kfz-Werkstatt Ulonska & Krah an der Witzheldener Straße ein. Geboten werden ein Großbildfernseher, Fassbier, Gegrilltes und bei Bedarf ein beheiztes Zelt - damit die Rennradler nicht alleine schwitzen müssen.
(KStA)
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Radrennen im Regen rund um Köln
Erstmals musste Burscheid den Beweis antreten, auch bei schlechtem Wetter über genügend radsportbegeistertes Publikum zu verfügen.
Burscheid. Es ist Ostermontag und es regnet. Wenn die alte Journalistenregel noch gilt, dass die Nachricht mit dem größten Neuigkeitswert ganz nach vorne gehört, kann ein Bericht über "Rund um Köln" nur so beginnen. Viermal hatte eitel Sonnenschein geherrscht, gestern musste die Attraktion am Ostermontag erstmals mit zum Teil widrigen Umständen kämpfen. Seither wissen wir, dass das neue Zelt der Jugendfeuerwehr dicht hält, eine Trockensurfanlage wirklich nur bei trockenem Wetter funktioniert und die Burscheider Bäume durchaus massentauglich sind: So viele Menschen hatten sich bis gestern noch nie unter ihnen zusammengedrängt.
Griesgrämig war Beigeordneter Stefan Caplan angesichts der Regenwolken in den Tag gestartet. Erst am späteren Vormittag hellte sich seine Miene parallel zum Himmel auf: Zumindest zum Höhepunkt des Tages war das Wetter gnädig und der Regen unterbrach sein tristes Spiel. Als mittags das Hauptfeld durch die Hauptstraße und weiter über Massiefen und Paffenlöh nach Hilgen rollte, war es trocken und entsprechend voll auf dem Marktplatz und an der Ecke Witzheldener Straße/B 51.
Für einen kurzen Moment durfte sich Burscheid als Teil der großen Radsportwelt fühlen: Gleich drei Hubschrauber kreisten über der Innenstadt und die Sprintwertung in der Geilenbacher Straße entschied Marcel Sieberg vom Team Wiesenhof-Akud für sich. Im Endklassement belegte er schließlich Platz 14. Auf dem Marktplatz freuten sich ein paar Feuerwehrkräfte während der Ankunft des Hauptfeldes über ihre Exklusivaussicht aus dem Korb am Ende der ausgefahrenen Drehleiter.
Endlich fanden auch die Trödler, die ihre Stände in der Kirchenkurve schon ab 9 Uhr aufgebaut hatten, noch ihr Publikum. Und der Motorradbeifahrer im Begleittross, der auf eine Tafel das Wort "Scheißwetter" gekritzelt hatte und es demonstrativ der Menge zeigte, erhielt Szenenapplaus.
Das von der Burscheid-Stiftung finanzierte Zelt der Jugendfeuerwehr wurde aber immer wieder einem Belastungstest unterzogen und spaltete den Marktplatz: Zwischen Zelt und Burscheider Bäumen herrschte trotz Großbildleinwand während der Regenphasen gähnende Leere. Erstaunlich, dass sich Teile des Publikums dann aber doch bis in den frühen Nachmittag hielten.
Schließlich hatten die Organisatoren auch noch ein paar Schmankerl in petto: das Prominenten-Basketballwerfen und die Tombola. Ute Hentschel (Wirtschafts- und Werbegemeinschaft), Ewa Salamon (Stadtbücherei), Karsten Evers (Federal-Mogul), Wolfgang Faust (BTG), Christian Spiegel (Johnson Controls), Axel Breunsbach (Kreissparkasse), Ekkehard Behnke (Behnke & Königsmann) und Bürgermeister Hans Dieter Kahrl hatten jeweils fünf Würfe auf den mobilen Basketballkorb. Sieger Christian Spiegel traf als Einziger viermal.
Als Christian Knees vom Team Milram gegen 16.25 Uhr als Erster das Ziel in Köln durchquerte, war der Burscheider Marktplatz aber schon wieder fast leer gefegt: ein paar Unentwegte der Feuerwehr und der Stadt, die letzten Aufräumarbeiten, das war`s. Gemeinerweise lugte da auch kurz die Sonne hervor. Aber unzufrieden war man nicht: Die Umsätze am Essensund Getränkestand fielen ordentlich aus, der Besuch letztlich auch.
18.4.06
Von Ekkehard Rüger
© Westdeutsche Zeitung