Zeit für mehr Gerechtigkeit
Die Landesseniorenvertretung NRW wirbt für neue Kriterien für Altersgrenzen

Burscheid, 07.09.2011. Altersgrenzen zeigen sich vor allem im Arbeitsmarkt. Junge Leute haben es schwer im Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, ältere Arbeitnehmer finden nur schwierig eine neue Anstellung, sollten sie ihren Job verlieren. Die Daten Burscheids zeigen, dass vor allem junge Leute unter 25 Jahren und ältere über 55 Jahren von Arbeitslosigkeit betroffen sind, diese machten im Jahr 2008 einen Anteil von etwa 25 Prozent aller Arbeitslosen aus.

Der Seniorenbeirat der Stadt Burscheid sieht, wenn auch in Burscheid bisher keine Fälle einer offenen Altersdiskriminierung bekannt geworden sind, diese Problematik und möchte auf das Thema „Altersgrenzen“ aufmerksam machen und die Burscheider für diese Thematik sensibilisieren.

Die Landesseniorenvertretung NRW fragt, ob es einen Unterschied zwischen „Dafür bist du zu jung“ und „Aber dafür bist du zu alt“ gibt? Die Landesseniorenvertretung (LSV) NRW ist überzeugt, dass es Diskriminierungen aufgrund des Lebensalters für Menschen jeder Generation gibt. „Dabei sind Altersgrenzen in der Regel sachlich nicht zu begründen“, so sagt die LSV-Vorsitzende Gaby Schnell. Sie wirbt dafür, die solchen Begrenzungen meist zugrunde liegenden Vorurteile und Verallgemeinerungen – jung gleich unreif, alt gleich unbeweglich – überall dort zu bekämpfen, wo man ihnen begegnet. „Die Schwierigkeiten älterer Arbeitnehmer, im ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, sind dabei ebenso ein Übel wie die Probleme der ,Generation Praktikum‘, die aufgrund ihrer Jugend hingehalten wird, weil es kostengünstig für die Firmen ist“, so Schnell. Das Lebensalter dürfe eben nicht als soziale Eigenschaft gesehen werden, die über die Zuteilung von Chancen entscheide. Hier sei vielmehr zu fragen: „Wann ist der Mensch denn im „richtigen“ Alter?“.

Dass Altersgrenzen häufig diskriminierend sind, werde nur selten öffentlich thematisiert. „Bei der Vergabe von Krediten, beim Abschluss von Versicherungen oder bei Wahlämtern wie etwa der Schöffen-Position werden Menschen höherer Lebensalter finanziell schlechter gestellt, benachteiligt oder gar ausgeschlossen“, weiß Gaby Schnell, deren Landesseniorenvertretung sich seit Jahren innerhalb des Netzwerkes von Senioren-Organisationen immer wieder mit offener wie versteckter Altersdiskriminierung befasst.

Dass es in Europa eigentlich keine Benachteiligungen aufgrund eines bestimmten Lebensalters geben dürfte, ist die Theorie. „Schlechte Vermittlungsquoten Älterer auf dem Arbeitsmarkt, automatische Altersgrenzen wie etwa bei Piloten oder Beamten, Alters-Höchstgrenzen, bis zu denen man noch Beamter oder Beamtin werden kann – dies sind pauschale Grenzen, die weder die Eignung der Einzelnen noch die veränderten Lebensbedingungen ganzer Generationen berücksichtigen“, findet Gaby Schnell. Vernünftige, gerechte und angemessene Regelungen für Menschen jeden Lebensalters brauchten neue Kriterien – „und an denen müssen die Betroffenen mitwirken“, lautet die Forderung der Landesseniorenvertretung.

Bei Fragen oder Anregungen zu dem Thema wenden Sie sich an den Seniorenbeirat oder die Senioren- und Pflegeberaterin unter 02174-670370.

presse@burscheid.de

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